Die lebhafte Diskussion zu Fragen der Prozessfähigkeit in der Wärmebehandlung führte bereits im Jahr 2005 beim AWT – Fachausschuss 3, „Nitrieren und Nitrocarburieren“ zur Bildung einer Arbeitsgruppe, die einen Vorschlag zur Festlegung der Prozessfähigkeit für die thermochemischen Wärmebehandlungsverfahren Nitrieren und Nitrocarburieren erarbeitet und veröffentlicht hat. Es wurde gezeigt, dass ganz bestimmte Anforderungen an das Bauteil selbst, den Herstellungsprozess und an die Wärmebehandlungsanlage zu erstellen sind. Es ist zwischen einer Prozessfähigkeit der Bauteile und einer Prozessfähigkeit der Anlage zu unterscheiden.
Die Ursachen für Abweichungen in der Härte, der Härtetiefe, der Verbindungsschichtdicke oder im Maß- und Formänderungsverhalten nach dem Nitrieren und Nitrocarburieren können sehr vielfältig sein. Eine häufige Fehlerquelle liegt darin begründet, dass dem Wärmebehandler die Teilevorgeschichte nicht bekannt ist, er folglich nicht weiß, wie er am besten reinigen soll, oder dass vorgeschaltete Prozessschritte geändert wurden. So ist es möglich, dass Kühlschmierstoffe von der mechanischen Bearbeitung beim Waschen nicht vollständig beseitigt werden und den Nitrierprozess behindern. Andere Ursachen können in nicht bekannten Wechselwirkungen im Waschprozess selbst liegen, auch wenn der Reiniger auf die Fertigungshilfsmittel optimal abgestimmt ist.

In einer neuen Ausarbeitung „Vermeidung von Sperrschichten auf zu nitrierenden Bauteilen – Eine Anleitung zum Handeln“ hat eine fünfköpfige Arbeitsgruppe sich diesem Thema gewidmet. Das Ergebnis der Arbeit steht auf der Seite des FA3 der AWT zum Download bereit.

huchel               hkw_02

Dr.Ing. Uwe Huchel und Dr. Ing. Heinrich Klümper-Westkamp
Obmänner des FA3 „Nitrieren und Nitrocarburieren